Stellungnahme Privatbaum

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Kann ein Lebensspender privat sein?

Beweggründe zur Stellungnahme siehe unten. (*)

Dies ist eine sehr philosophische Frage, aber genau dieser Frage müssen wir uns beim Thema "Baum auf privatem Grundstück" stellen.

Ein über hundert Jahre alter Baum hat viel erlebt und leistet mit zunehmendem Alter immer größere Dienste für die Welt. So spendet er an heißen Sommertagen Schatten, produziert lebensnotwendigen Sauerstoff, reinigt die Luft von Schadstoffen und bietet allerlei Tieren einen Lebensraum. Kann ein solches Lebewesen also Privatbesitz sein?

Viele Menschen würden sich vermutlich der Aussage anschließen, dass ein Baum der Person gehört, die das Grundstück besitzt, auf dem der Baum steht, selbst wenn das Grundstück im Laufe der Jahrzehnte Besitzerwechsel durchmacht. Doch so einfach ist die Frage in unseren Augen nicht zu beantworten.

Alle Lebewesen, insbesondere wir Menschen, sind auf die Dienste von Bäumen angewiesen.
Wird nun beispielsweise eine hundert Jahre alte Buche gefällt, müssten ungefähr 2000 junge Buchen gepflanzt werden, damit der gleiche Sauerstoffertrag produziert wird. Mit der Pflanzung so vieler, junger Bäume kann aber kein Ersatz für den Verlust eines natürlichen Kletterparadieses geschaffen werden und bis die jungen Bäume weitreichend Schatten spenden können, müssen viele Jahrzehnte ins Land gehen.

Zu guter Letzt ist allgemein bekannt, dass Bäume sich, wenn man sie lässt, sowohl im Erdreich als auch in luftiger Höhe über Grundstücksgrenzen hinweg frei ausbreiten.



Die Baumschutzsatzung der Stadt Ilmenau macht desweiteren keinen Unterschied zwischen Bäumen auf Privatgrundstücken und solchen, die auf städtischen Flächen stehen. Hier erhält jeder Baum, der in der Stadt Ilmenau wächst (mit verschiedenen Einschränkungen) denselben Schutzstatus, denn jeder Baum trägt nach § 3 Satzung zum Schutz des Baumbestandes der Stadt Ilmenau

 

  1. der Sicherung der Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes und der Lebensstätten für die Tier- und Pflanzenwelt,
  2. der Belebung, Gliederung und Pflege des Orts- und Landschaftsbildes,
  3. der Erhaltung und Verbesserung des Kleinklimas,
  4. der Abwehr schädlicher Einwirkungen,
  5. der Gewährleistung und Erreichung einer innerörtlichen Durchgrünung,
  6. der Herstellung eines Biotopverbundes mit den angrenzenden Teilen von Natur und Landschaft

bei.

Daher folgt für uns: ein Baum darf entweder niemandem oder muss allen gehören und es sollte bei diesem Thema keine harte Grenze zwischen privatem und öffentlichem Besitz gezogen werden.


 

* zu dieser Stellungnahme fühlen wir uns aus aktuellem Anlass verpflichtet, da uns der Stadtrat von Ilmenau mit der Unterscheidung zwischen privaten und öffentlichen Ilmenauer Stadtbäumen konfrontierte. Hier wurde den Ilmenauer Bürgerinnen und Bürgern keinerlei Mitspracherecht bei Privatbäumen zugesagt und somit Fällungen verheimlicht, obwohl in der Ilmenauer Baumschutzverordnung keine Unterschiede zwischen privaten und öffentlichen Stadtbäumen gemacht werden.

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